(Sozial-)Staat


Einzelausgabe
Wie sozial soll der Staat von morgen sein? (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Lebenswelten von Jugendlichen , Sachthemen
Erscheinungsjahr: 2019
Zielgruppe: Sekundarstufe II: Ab Jahrgangsstufe 10, Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Heft, DIN A4, perforiert, 28 Seiten, inkl. 2 farbige OH-Folien
Seitenzahl: 28
Produktnummer: 40-1906

21,50 €

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Produktinformationen "(Sozial-)Staat"

Hinter dem Thema „(Sozial-)Staat“ verbergen sich sehr viel grundlegende Fragen:
Was ist überhaupt gerecht? Wie tickt der Mensch? Ist er von Natur aus kreativ und bestrebt, sich durch Arbeit zu verwirklichen,
oder legt er sich gern auf die „faule Haut“, wenn er nicht gezwungen ist zu arbeiten?


Die vorliegende Unterrichtseinheit gliedert sich in drei Teile:

Im ersten Teil sollen die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Voreinstellung zum Sozialstaat reflektieren.
Im zweiten Teil wird die Frage aufgeworfen, ob das bedingungslose Grundeinkommen als höchste Stufe der sozialen Leistungen eine mögliche Antwort auf all die sozialstaatlichen Problem sein könnte,
die im ersten Teil gesammelt worden sind.
Im dritten Teil der vorliegenden Unterrichtseinheit ist die Lerngruppe der Notwendigkeit ausgeliefert, eine möglichst faire Verteilung der sozialstaatlichen Leistungen zu finden.
Die vorgeschlagenen realpolitischen Vorschläge müssen analysiert und beurteilt werden.
Der letzte Teil weist den größten Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler auf. Die Handlungskompetenz steht beispielsweise bei einer E-Mail Vordergrund,
die als persönliche Reaktion auf Felix Brandstätters Vorschlag des Deutschlandpraktikums formuliert werden soll.


Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese Ausgabe enthält Unterrichtsmaterial zu folgenden Themen:

1. Teil: Der Sozialstaat in Deutschland – bitte weiter so?
  • Die Klärung einer Beziehung
  • Der Sozialstaat – mehr als ein Schlagwort?
  • Was die Menschen über ihren Sozialstaat denken
2. Teil:
  • Das bedingungslose Grundeinkommen – die Lösung aller sozialstaatlichen Probleme?
  • Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für alle
  • Die Parteien zum bedingungslosen Grundeinkommen Teil 1 – Partner A 7 Die Parteien zum bedingungslosen Grundeinkommen Teil 2 – Partner B
  • Die Wirtschaft zum bedingungslosen Grundeinkommen
  • Der Blick über den Tellerrand – das bedingungslose Grundeinkommen im europäischen Ausland
  • Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens – ein persönliches Zwischenfazit
3. Teil: Kleinere Brötchen – realpolitische Alternativen zum bedingungslosen Grundeinkommen
  • Das Geld des Staates – wer soll was bekommen?
  • Wenn nicht alle, wer dann? Was der Staat denken soll
  • Karikatur: Die Grundrente
  • Unterstützung für die, die schon etwas geleistet haben: die Rentengeneration
  • Fortsetzung des Interviews
  • Unterstützung für die, die sie nötig haben: die Bedürftigen
  • Plakat: Bündnis für gebührenfreie Kitas in Baden-Württemberg
  • Unterstützung für die, die etwas leisten werden: die Kinder
4. Teil: Kontrovers diskutiert – ein Deutschlandpraktikum?
  • Die Idee des Deutschlandpraktikums
  • Das Deutschlandpraktikum – ein fundiertes Urteil in Kategorien
  • Klausurvorschlag
  • Das Deutschlandpraktikum: AKTUELL


Einleitung

„Kinderarmut“, „Abschaffung von Hartz IV, „… wachsende Kluft zwischen Arm und Reich“, „Rentenfinanzierung“ sind Stichworte, die sich seit geraumer Zeit in den Medien finden. Sie bestimmen die gesellschaftliche Diskussion und die politische Auseinandersetzung und verweisen auf eine der großen Herausforderungen unserer Zeit: die Reform des Sozialstaats. Die Erkenntnis, dass der Marktmechanismus nicht reicht, um kollektive Wohlfahrt, Verteilungsgerechtigkeit und soziale Sicherheit zu realisieren, liegt schon der Idee der sozialen Marktwirtschaft zugrunde. Haben die Gründerväter noch geglaubt, Freiheit und Gerechtigkeit ließen sich auf der Grundlage wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und korrigierenden Eingreifens des Staates problemlos verwirklichen, so erweist sich diese Vorstellung angesichts des demografischen Wandels, einer anhaltend hohen Zuwanderung und des globalen Wettbewerbs als fragwürdig.

Sozialstaatliche Entscheidungen sind von hoher Relevanz, nicht nur, weil sie ganz unterschiedliche Personengruppen betreffen. Was in diesem Bereich geregelt oder nicht geregelt wird, kann wahlentscheidend sein.

Vordergründig geht es darum, wie hoch der Sozialetat sein soll und wie die begrenzten Mittel gerecht eingesetzt werden sollen. Dahinter verbergen sich grundlegende Fragestellungen: Was ist überhaupt gerecht? Wie denkt und handelt der Mensch? Ist er von Natur aus kreativ und bestrebt, sich durch Arbeit zu verwirklichen, oder legt er sich gern auf die „faule Haut“, wenn er nicht gezwungen ist, zu arbeiten? Diese prinzipiellen Fragen zu beantworten, würde den Rahmen dieses Heftes sprengen. Sie sind es wert, gründlich und umfassend bearbeitet zu werden.

Unser Vorgehen orientiert sich an ausgewählten konkreten Vorhaben und Vorschlägen, die öffentlich diskutiert werden und möglicherweise politisch umsetzbar sind.

Im ersten Teil sollen die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Voreinstellung zum Sozialstaat reflektieren. Das Heft unternimmt den Versuch, sich dem komplexen und – auf den ersten Blick für die Schülerinnen und Schüler – lebensweltfremden Thema einmal anders zu nähern. Der Einstieg „spielt“ mit den Charakteristika einer (Liebes-)Beziehung, die in einem Liebesbrief erörtert wird. Adressat des Briefes ist der Sozialstaat. Konkrete Beispiele werden genannt und sollen den Schülerinnen und Schülern aufzeigen, wie lebensnah und zugänglich das Thema sein kann. In einer Umfrage werden weitere Meinungen zum Status quo des Sozialstaats eingeholt.

Darauf folgt ein erster inhaltlicher Schwerpunkt: die Auseinandersetzung mit dem Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens. Es wird seit Jahren diskutiert und ist hochumstritten, auch innerhalb der Parteien. Viele Wirtschaftsvertreter lehnen es vehement ab, einer der bekanntesten deutschen Unternehmer, Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarktkette dm, setzt sich seit Langem nachdrücklich dafür ein. Die Gewerkschaften befürchten eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Wir lassen in diesem Heft Befürworter und Kritiker zu Wort kommen und werfen einen Blick ins europäische Ausland, wo das Konzept erprobt wird. Nach einem von den Schülern zu ziehenden Zwischenfazit widmet sich das Heft dem „Machbaren“, also realpolitischen und in Varianten umsetzbaren Alternativen.

Exemplarisch werden vier Konzepte beleuchtet: die von der SPD vorgeschlagene „Respektrente“, das „Bürgergeld“, ein Projekt der FDP, die von unterschiedlichen Gruppierungen vorgeschlagene Idee der kostenlosen Kitas und das sogenannte Deutschlandpraktikum, ein von der CSU gefördertes Projekt. Die Schüler setzen sich mit diesen Projekten, die gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutiert werden, kritisch auseinander, beleuchten die Erfolgsbedingungen und gehen der Frage nach, welche Interessen einer Verwirklichung möglicherweise entgegenstehen.

Bezüglich des Deutschlandpraktikums sind diverse Pro-Kontra-Positionen vorgegeben. Sie erfordern, dass die Schülerinnen und Schüler die teilweise sich widersprechenden Argumente kritisch abwägen. Die Lerngruppe soll diese Projekte, die jeweils andere Zielgruppen in den Blick nehmen, nicht nur kennenlernen, sondern auch in die Lage versetzt werden, sich nach vorgegebenen Kriterien ein fundiertes Urteil zu bilden. Selbstverständlich erhebt die Auswahl keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Ebenso verfolgen wir auch mit diesem Heft nicht das Ziel, die Reform des Sozialstaats theoretisch fundiert und umfassend darzustellen beziehungsweise erarbeiten zu lassen.

Unser Vorgehen ist exemplarisch und richtet den Fokus auf das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens, dessen Umsetzung eine grundsätzliche Neukonzeption der sozialen Absicherung bedeuten würde, um im Anschluss möglicherweise realisierbare Konzepte für unterschiedliche Zielgruppen vorzustellen und abzuwägen.

Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler

Ziel der in diesem Heft konzipierten Unterrichtseinheit ist es, den Schülerinnen und Schülern ihren Widerwillen zu nehmen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ihr Interesse soll geweckt werden, sich mit dem Sozialstaat auseinanderzusetzen und sich in ein Thema einzuarbeiten, das extrem komplex und undurchsichtig anmutet. Dadurch läuft die Unterrichtseinheit Gefahr, die Motivation der Schülerinnen und Schüler schnell verpuffen zu lassen. Die Auswahl der Beispiele und die didaktische Reduktion sollen der Lerngruppe das Gefühl geben, die Sachverhalte zu verstehen, beurteilen und bewerten zu können. Zu diesem Zweck ist die vorliegende Unterrichtseinheit in vier Teile gegliedert.

Im ersten Teil wird der Status quo betrachtet und reflektiert – erst von den Autorinnen, dann von den Menschen in der nahen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler in Form einer Befragung. Ganz bewusst werden die Schülerinnen und Schüler an dieser Stelle noch nicht dazu aufgefordert, eine komplexe Beurteilung abzugeben. Hier beschränken sie sich auf einzelne Aspekte und Argumente. Die Tatsache, dass der erste Teil von einem – wenn auch kritischen – Liebesbrief eröffnet wird, soll die Bedeutung des Sozialstaats für unser alltägliches Leben und nicht zuletzt auch die Wertschätzung der Autorinnen diesem System (wohlgemerkt mit all seinen Fehlern) gegenüber symbolisieren.

Im zweiten Teil wird die Frage aufgeworfen, ob das bedingungslose Grundeinkommen als höchste Stufe der sozialen Leistungen eine mögliche Antwort auf all die sozialstaatlichen Probleme sein könnte, die im ersten Teil gesammelt worden sind. Diverse Gruppierungen positionieren sich unterschiedlich zu diesem Modell: Die Sicht der Parteien wird dargestellt, außerdem kommen die Arbeitgeber und die Gewerkschaften als Wirtschaftsvertreter zu Wort. Durch zusätzliche Impulse und Anregungen können die Schülerinnen und Schüler ihren Horizont erweitern: An dieser Stelle werden zwei europäische Umsetzungen vorgestellt: der im Jahr 2000 gestartete Versuch in Finnland und das in diesem Jahr eingeführte „Reddito di cittadinanza“ in Italien. Das Material bietet viele Anlässe, die Analysekompetenz der Lerngruppe zu trainieren.

Am Ende des zweiten Teils werden die Schülerinnen und Schüler – nach genügend Input und Auseinandersetzung – aufgefordert, ihre Urteilskompetenz zu trainieren und ein persönliches, fundiertes Urteil zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu formulieren.

Im dritten Teil der vorliegenden Unterrichtseinheit sind die Schülerinnen und Schüler der Notwendigkeit ausgeliefert, eine möglichst faire Verteilung der sozialstaatlichen Leistungen zu finden. Die vorgeschlagenen realpolitischen Vorschläge müssen analysiert und beurteilt werden.

Der letzte Teil weist den größten Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler auf. Die Handlungskompetenz steht bei der E-Mail bzw. dem Leserbrief im Vordergrund, die als persönliche Reaktion auf Felix Brandstätters Vorschlag des Deutschlandpraktikums formuliert werden sollen.

Die Methodenkompetenz der Lernenden kann an vielen Stellen des vorliegenden Hefts trainiert werden:

Im ersten Teil wird eine Befragung durchgeführt und eine Statistik erstellt.

Im zweiten Teil ist eine Debatte vorgesehen. Danach wird eine Karikatur verwendet und es kann eine Recherche anhand des Materials eingebaut werden.

Der letzte Abschnitt des Hefts konzentriert sich auf die Methode „ein fundiertes Urteil bilden“.