Ökonomie handlungsorientiert unterrichten


Einzelausgabe
Mystery, Szenariotechnik und Simulation (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Deutschland , Sachthemen
Erscheinungsjahr: 2021
Zielgruppe: Sekundarstufe II: Ab Jahrgangsstufe 10, Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Print: Heft, DIN A4, perforiert, 28 Seiten, inkl. 2 farbiger OH-Folien; Online: Heft (PDF und Word), Bilder (.jpg)
Seitenzahl: 28
Produktnummer: 40-2102

21,50 €

Verfügbar, Lieferzeit 1-3 Tage

Produktinformationen "Ökonomie handlungsorientiert unterrichten"

Diese Ausgabe umfasst verschiedene handlungsorientierte Zugänge zu ausgewählten ökonomischen Themen der Sekundarstufe II. Alle Teile des Heftes können unabhängig voneinander eingesetzt werden.


Die vorliegende Unterrichtseinheit gliedert sich in drei Teile:

  • Im ersten Teil der Ausgabe wird ein Mystery zur handlungsorientierten Einführung des Konjunkturzyklus sowie verschiedener Konjunkturindikatoren vorgestellt. Auf der Grundlage der Krisensituation des Unternehmers Lutz Werner müssen die Lernenden mithilfe der Puzzlekarten herausfinden, welche schmerzliche Ankündigung der ansonsten beliebte Unternehmer seiner Belegschaft machen muss. Die Lernenden erwerben mithilfe der Puzzlekarten eine Sachkompetenz in Bezug auf den Konjunkturzyklus sowie ausgewählte Indikatoren.
  • Im zweiten Teil der Ausgabe müssen die Lernenden in der Rolle des EZB-Direktoriumsmitglieds Isabel Schnabel eine Handlungsempfehlung für eine potenzielle Leitzins-entscheidung der EZB entwickeln. Hierzu müssen u.a. verschiedene wirtschaftliche Kennzahlen ausgewählter EU-Länder im Hinblick auf deren Entwicklungstrends analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
  • Im dritten Teil der Ausgabe werden die Lernenden auf der Basis der Simulation eines Autokaufs mit dem Problem der kriterienorientierten Bewertbarkeit ökonomischen Handelns konfrontiert. Vor dem Hintergrund der Simulation entwickeln die Lernenden diesbezüglich eigene Kriterien. Hieran anschließend können diese Kriterien nach einer Einführung der Grundannahmen der Rational-Choice-Theorien mit diesen verglichen werden. Hierauf aufbauend kann u.a. das Zusammenspiel der verschiedenen Kriterien bzw. Grundannahmen der Rational-Choice-Theorien mithilfe des für diese Theorien exemplarisch ausgewählte Akteursmodell des Homo oeconomicus problematisiert werden.

Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese Ausgabe enthält Unterrichtsmaterial zu folgenden Themen:

1. Teil:
  • Mystery Konjunkturzyklus – eine Puzzlemethode zur selbstständigen 3 Entwicklung des Konjunkturzyklus am Beispiel des Baugewerbes
  • Mystery – Das Auf und Ab der Lutz GmbH
  • Basiskarten
  • Erweiterungskarten EXTRA
  • Änderung der Konjunkturindikatoren im Verlauf der Konjunktur
2. Teil:
  • Szenario(technik) Leitzinsentscheidung
  • Leitzinserhöhung: Effekte auf ausgewählte wirtschaftliche Kennzahlen
  • Szenariokarte/Beschreibung
  • Wirtschaftliche Kennzahlen (Basiskarten)
  • Wirtschaftliche Kennzahlen weiterer EXTRA (extra 01) Länder (Erweiterungskarten)
  • Link-Liste zu aktuellen wirtschaftlichen Kennzahlen AKTUELL
  • Leitzinsentwicklung
  • Staatsverschuldung in der EU
  • Formulierungsvorlage zur Handlungsempfehlung
3. Teil: Ökonomische Experimente: Simulation und theoretische 12 Erklärungsansätze des Homo oeconomicus
  • Simulation: Autokauf auf dem 12 Gebrauchtwagenmarkt – Szenario und Spielregeln
  • Rollenkarten
  • Angebotskarten
  • Inspektionskarten
  • Simulation: Autokauf – Spielmodell AKTUELL
  • Das Akteursmodell des Homo oeconomicus
  • Der Homo oeconomicus beim Autokauf
  • Grundannahmen der Rational-Choice-Theorien
4. Teil: Klausurvorschlag + Erwartungshorizont
  • Klausurvorschlag
  • Erwartungshorizont


Einleitung

Handlungsorientierung als didaktischer Zugang nimmt einen immer größeren Stellenwert in den Curricula vieler Bundesländer ein. Mit ihr werden umfangreiche Erwartungen an potenzielle Kompetenzerweiterungen der Lernenden, aber auch starke Vorbehalte verknüpft. Insbesondere der Vorwurf eines bloßen Aktionismus steht bei handlungsorientierten Unterrichtsmethoden relativ häufig im Raum. Gerade im Hinblick auf diesen Kritikpunkt macht die Reflexion handlungsorientierter Lernprozesse im Anschluss an deren Durchführung den zentralen Unterschied aus. Erst durch eine hinreichend reflektierte Verknüpfung kann das teilweise immense Potenzial handlungsorientierter Unterrichtsmethoden in Bezug auf die Erweiterung der Sach- und Handlungskompetenz ausgeschöpft werden. Anhand der nachfolgend skizzierten Beispiele sollen potenzielle Pfade zu diesem zweifellos anspruchsvollen Ziel angeboten werden.

Im ersten Teil dieser Ausgabe wird Ihnen ein Mystery zum Konjunkturzyklus angeboten. Im Rahmen dieser Methode werden die Lernenden ausgehend von einer einleitenden problemorientierten Geschichte aktiviert. Das „Mystery“ liegt hierbei darin, dass das zugrunde liegende Problem oder das Ende dieser Geschichte nicht ersichtlich bzw. absehbar ist. Diese Ungewissheit führt zu einer umfassenden Schüleraktivierung, da diese bestrebt sind, das „Mystery“ aufzuklären. Im Mystery „Das Auf und Ab der Lutz GmbH“ entsteht diese Ungewissheit nach einer kurzen Skizze der Historie des Familienbetriebs. Dieser Betrieb gerät zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Hierdurch wird der ansonsten bei den Mitarbeitern recht beliebte Unternehmer Martin Lutz zu einer schmerzlichen Ankündigung gezwungen. An dieser Stelle endet die Beschreibung des Szenarios und die Lernenden müssen ausgehend von einer Leitfrage sowie mithilfe von ungeordneten Puzzle-Karten versuchen, dieses Mystery aufzuklären. Die Puzzle-Karten enthalten unterschiedliche Ausschläge von Konjunkturindikatoren, die zunächst geordnet werden müssen. Auf dieser Basis können die Lernenden darauf schließen, in welcher Phase des Konjunkturzyklus sich die Hoch- und Tiefbau Lutz GmbH befindet und mit welchen schmerzlichen Ankündigungen die Mitarbeiter rechnen müssen.

Im zweiten Teil erwartet Sie eine Szenariotechnik am Beispiel von Leitzinsentscheidungen der EZB. Die Lernenden nehmen die Rolle eines Mitglieds des EZB-Direktoriums ein. An dieses Mitglied wird die Erwartung herangetragen, für die kommende Sitzung eine Handlungsempfehlung vorzubereiten, aus der hervorgehen soll, inwiefern der Leitzins geändert werden sollte. Hierzu erhalten die Lernenden einen Satz Länderkarten, auf denen ausgewählte wirtschaftliche Kennziffern dargestellt werden. Durch eine Analyse der einzelnen Länder können die Lernenden zunächst feststellen, dass sich die einzelnen EU-Länder im Hinblick auf die wirtschaftlichen Kennzahlen unterschiedlich entwickelt haben und deshalb von einer Leitzinsentscheidung der EZB in unterschiedlicher Art und Weise betroffen sind. Vor diesem Hintergrund bietet sich eine Analyse der einzelnen Länder im Hinblick auf potenzielle Leitzinsentscheidungen der EZB mithilfe der Szenariotechnik an, da für jedes Land ein Trend-, Best- sowie Worst-Case-Szenario entwickelt werden kann. Da abschließend eine Handlungsempfehlung für eine Leitzinsentscheidung der EZB gegeben werden soll, die für den gesamten Euroraum gelten soll, müssen die Lernenden die zuvor entwickelten verschiedenen länderspezifischen Szenarien miteinander vergleichen und eine begründete Schwer-punktsetzung vornehmen.

Im dritten Teil dieser Ausgabe können die Lernenden im Zuge der Simulation eines Autokaufs in die Rolle eines Gebrauchtwagenhändlers oder eines interessierten Käufers schlüpfen. Letztere müssen vor dem Hintergrund individueller Budgets und Präferenzen um den Preis eines geeigneten Autos verhandeln. Die einzelnen Rollen agieren dabei in Konkurrenz zueinander. Dieses Problem wird dadurch verschärft, dass nicht genügend Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt angeboten werden. Außerdem ist nicht ein jegliches Auto für jeden Käufer geeignet. Die Lernenden müssen hier somit eine bewusste Kaufentscheidung vor dem Hintergrund ihrer rollenspezifischen Bedürfnisse treffen. Im Anschluss an diese Simulation gilt es, das Verhalten der einzelnen Verkäufer und Käufer zu bewerten. Hierzu müssen die Lernenden sinnvolle Kriterien entwickeln. Im Kontrast hierzu werden die Lernenden anhand der Geschichte „Der Homo oeconomicus beim Autokauf“ in die Grundannahmen der Rational-Choice-Theorien sowie in das exemplarisch für diese Domäne ausgewählte Akteursmodell des Homo oeconomicus eingeführt. Auf diese Weise werden die Lernenden mit exemplarisch ausgewählten Bewertungskriterien der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung konfrontiert, die sie mit den zuvor eigens entwickelten Kriterien vergleichen können.

Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler

Diese Ausgabe besteht aus drei separaten Unterrichtseinheiten zu verschiedenen ökonomischen Themen. 

Der erste Teil der Ausgabe besteht aus einem Mystery zur Erarbeitung des Konjunkturzyklus und fördert auf der Basis typischer Konjunkturindikatoren schwerpunktmäßig die Sachkompetenz der Lernenden im Hinblick auf die selbstständige Entwicklung des Konjunkturzyklus. Diese Entwicklung erfolgt durch die Ordnung von Puzzlekarten. In sekundärer Hinsicht kann die Methodenkompetenz der Lernenden erweitert werden, da die einzelnen Konjunkturindikatoren miteinander in Beziehung gesetzt und auf diese Weise der Konjunkturzyklus entwickelt werden kann. Hierdurch kann außerdem die Genese dieses wirtschaftstheoretischen Modells im Sinne des entdeckenden Lernens nachvollzogen bzw. nachentdeckt werden.

Der zweite Teil beinhaltet eine Szenariotechnik im Hinblick auf eine potenzielle Leitzinsentscheidung der EZB. Infolge einer Analyse der Entwicklung verschiedener wirtschaftlicher Kennziffern sollen zunächst für einzelne Länder im Hinblick auf eine potenzielle Änderung des Leitzinses ein Trend-, Best- sowie Worst-Case-Szenario entwickelt werden. Im Anschluss an die Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner ausgewählter EU-Länder müssen diese Entwicklungen miteinander verglichen werden, um letztendlich eine Handlungsempfehlung entwickeln zu können, in der eine Leitzinsentscheidung getroffen werden soll, die für den gesamten Euroraum gelten soll und die einzelnen Länder in unterschiedlicher Art und Weise betrifft. Mithilfe dieses anspruchsvollen und zugleich aktivierenden Lernarrangements können die Lernenden somit neben ihrer Sachkompetenz vor allem durch die Notwendigkeit einer begründeten Prioritätensetzung ihre Handlungskompetenz erweitern.

Der dritte Teil fokussiert sich auf das Problem der Bewertbarkeit und der Modellierung wirtschaftlichen Handelns. Vor dem Hintergrund der Simulation zum Autokauf auf einem Gebrauchtwagenmarkt entwickeln die Lernenden Kriterien für die Bewertung ihres eigenen Handelns, die nach einer Einführung in die Grundannahmen der Rational-Choice-Theorien mit diesen verglichen werden können. Das Akteursmodell des Homo oeconomicus kann als eine Interpretation des Zusammenspiels dieser Grundannahmen begriffen werden. Kontrastierend zur Simulation können die Lernenden mithilfe der Geschichte „Der Homo oeconomicus beim Autokauf“ die Unzulänglichkeit dieses Modells im Hinblick auf dessen Anwendung auf isoliert betrachtete ökonomische Handlungssituationen erkennen. Dieses Problem kann darauf zurückgeführt werden, dass dieses Akteursmodell für eine solche Anwendung nicht konzipiert wurde, sondern aufgrund der Einfachheit dieses Akteursmodells bzw. der Berechenbarkeit seines Handelns als Grundlage für wesentlich komplexere ökonomische Modelle verwendet wird. Im Zentrum dieses dritten Teils steht somit die Genese einer modelltheoretisch reflektierten Handlungskompetenz.