Krieg und Frieden


Einzelausgabe
Konflikte im 21. Jahrhundert (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/Gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Kriege, Konflikte
Erscheinungsjahr: 2009
Zielgruppe: Sekundarstufe II : Ab Jahrgangsstufe 10/Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Heft, DIN A4, 28 Seiten, perforiert, inkl. 2 farbiger OH-Folien
Autor: Müller, Erik
Produktnummer: 40-0901

21,50 €

Verfügbar

Produktinformationen "Krieg und Frieden"

Mit dem Ende des Kalten Krieges schien ein Menschheitstraum in greifbare Nähe zu rücken: eine Welt ohne Krieg. Dies hat sich leider als Irrtum erwiesen, denn der Krieg ist nicht als solcher verschwunden, sondern er hat seine Erscheinungsform verändert. Wenn wir von Krieg sprechen, dann denken wir zugleich immer auch an Frieden. Eine isolierte Betrachtung des Krieges ist nicht sinnvoll, da wir Krieg als etwas Negatives betrachten und den Frieden herbeisehnen.

Die vorliegende Unterrichtseinheit ist in vier Teile gegliedert:


Im Mittelpunkt des Einstiegs steht die Frage, was Krieg für die betroffenen Menschen bedeutet.

Der zweite Teil der Einheit widmet sich der Frage, was Krieg eigentlich ist. Neben einer Bestandsaufnahme aktueller kriegerischer Konflikte steht die Unterscheidung von klassischen Staatenkriegen und neuen Kriegen im Mittelpunkt.

Die Rolle der Medien wird in einem separaten Teil thematisiert. Die Berichterstattung über den Irakkrieg hat gezeigt, wie problematisch die mediale Vermittlung von Kriegen sein kann. Im dritten Teil wird deshalb nach der Bedeutung und der Verantwortung der Medien gefragt. Abschließend soll sich die Lerngruppe nicht mehr mit Krieg, sondern mit verschiedenen Friedensbegriffen auseinandersetzen.

Abonnentinnen und Abonnenten von "Politik betrifft uns" finden im Bonusbereich unserer Homepage Material zur Lage im Ostkongo sowie ein Methodenblatt zur Museumsmethode.


Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese Ausgabe enthält Unterrichtsmaterialzu folgenden Themen:

1. Teil:  Was bedeutet Krieg für die Menschen?
  • Versteckt euch, bevor es dunkel wird ...
  • Ein Leben in Angst: Kinder in Tschetschenien
2. Teil: Was ist Krieg?
  • Kriege zu Beginn des 21. Jahrhunderts
  • Was ist eigentlich Krieg?
  • Afghanische Mudschahedin in Pakistan
  • Britische Aufklärungsfahrzeuge im Südirak 
  • Die neuen Kriege
  • „Der Feind trägt keine Uniform“ — Krieg in Afghanistan
  • Der internationale Terrorismus
  • Zeichnung eines Kindersoldaten
  • Das Schicksal der Kindersoldaten
  • Die Kaukasusregion — ein Pulverfass?
  • Der Georgienkonflikt — auf dem Weg zum „alten“ Krieg?
  • Eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa:
    NATO-Mitglied Georgien?
3. Teil: Krieg in den Medien
  • „Das ist Propaganda“
  • Krieg: kein Videospiel, keine DVD — Realität!
4. Teil: Was ist Frieden?
  • Was ist Frieden?
  • Auf dem Weg zum Frieden? Das zivilisatorische Hexagon


Einleitung


Mit dem Ende des Kalten Krieges schien ein Menschheitstraum in greifbare Nähe zu rücken: eine Welt ohne Krieg. Dies hat sich leider als Irrtum erwiesen, denn der Krieg ist nicht als solcher verschwunden, sondern er hat seine Erscheinungsform verändert. Unsere Vorstellung des Krieges ist durch eine bestimmte Kriegsform bestimmt, die der zwischenstaatlichen Kriege. Dieser Krieg war dadurch geprägt, dass Staaten miteinander Krieg führten und sich eine fast ritualisierte Form der Kriegsführung herausgebildet hatte. Der Krieg begann mit einer Kriegserklärung, zwei oder auch mehrere Armeen standen sich gegenüber, die Soldaten waren durch Uniformen voneinander und von Zivilisten zu unterscheiden und der Krieg endete in der Regel mit einem Friedensvertrag, den die Kriegsparteien nach Kapitulation einer Seite unterschrieben haben. Damit war der Krieg zu Ende und die Sieger konnten oftmals Gebietszuwächse und Reparationen für sich beanspruchen. Der Krieg wurde mit technischem Großgerät ausgetragen und verschlang riesige Summen. Nur Staaten konnten Krieg führen, da nichtstaatliche Akteure nicht über diese Mittel verfügten und deshalb auf Dauer solche Kriege nicht finanzieren konnten. Diese Form des zwischenstaatlichen Krieges wird als symmetrische Kriegsführung bezeichnet, da vergleichbare Akteure — Staaten bzw. Bündnisse — sich gegenüberstanden. Auf dieser Vorstellung des Krieges beruht auch die Unterscheidung von Staatenkriegen und Bürgerkriegen. Der Bürgerkrieg wird nach dieser Vorstellung als „irregulärer“ Krieg bezeichnet: Die Kriegsparteien erkennen sich nicht an, rechtliche Regelungen — z.B. die Genfer Kriegskonvention — gelten nicht, die Kämpfer tragen keine Uniformen und es wird nicht zwischen Soldaten und Zivilisten unterschieden. Bürgerkriege wurden sehr häufig mit noch höherer Grausamkeit ausgetragen.

Betrachtet man kriegerische Konflikte heute, so fällt auf, dass der Staat sein Monopol der Kriegsführung verloren hat. Kriege wie in Afghanistan entsprechen nicht mehr diesem Muster der symmetrischen Kriegsführung, da sich beispielsweise keine Armeen gegenüberstehen. Damit ist auch die Unterscheidung in Staaten- und Bürgerkriege in vielen Teilen der Erde obsolet geworden. Die neuen Kriege zeichnen sich vor allem durch ihre asymmetrische Kriegsführung aus. Vieles, was den klassischen zwischenstaatlichen Krieg ausgezeichnet hat, verschwindet: Es kämpfen keine Armeen gegeneinander, die klar abgegrenzt und durch Uniformen gekennzeichnet sind. Dadurch verliert auch die Unterscheidung von Militärangehörigen und Zivilisten an Bedeutung. Oft ist die Lage in diesen Kriegen diffus. Viele Akteure führen Krieg — mal miteinander gegen einen gemeinsamen Gegner, dann wieder gegeneinander, wenn dieser besiegt ist. Private Akteure — sogenannte Warlords — haben staatliche Akteure verdrängt und sind selbst zu kriegsführenden Parteien geworden, die auch ökonomische Ziele verfolgen.

Die Veränderung des Krieges wurde vor allem durch die dramatische „Verbilligung“ der Kriegsführung ermöglicht. Der Staatenkrieg führte noch zu einer unvorstellbaren technischen Aufrüstung, die die Volkswirtschaften enorm belastete und Unsummen verschlang: Selbst vor der Aufrüstung im Weltall machten die Supermächte nicht halt und nur wenige Staaten hatten die ökonomischen Ressourcen, an diesem Wettrüsten teilzunehmen. Im Gegensatz dazu kann heute eine dramatische Verbilligung des Krieges beobachtet werden. Kleinfeuerwaffen ersetzen teures technisches Gerät, stehende Heere werden durch Kindersoldaten ersetzt, die durch Gewalt und Drogen gefügig gemacht werden, hochgerüstete Kriegsführung — z.B. Luftkrieg — findet nicht statt und Mobilität erreichen die Kämpfer durch den Einsatz einfacher Fahrzeuge, z.B. von Pickups. Diese Verbilligung führt zu einer dramatischen Erhöhung der Zahl der Akteure, die in der Lage sind, Krieg zu führen.

Dass sich neue Kriege oft über Jahrzehnte hinziehen und man den Eindruck gewinnen kann, der Krieg würde den Frieden als „Normalzustand“ verdrängen, liegt auch daran, dass er eine neue ökonomische Dimension erlangt hat. Im Gegensatz zu den Staaten bluten kriegsführende Akteure in neuen Kriegen ökonomisch nicht unbedingt aus, sondern sie schaffen sich durch die Kriegsführung einen Zustand, von dem sie dauerhaft profitieren, z.B. durch den Anbau von Drogen oder die Ausbeutung von Bodenschätzen. Dadurch haben sie kein großes Interesse daran, den Krieg zu beenden, da sie dadurch auch ihre ökonomische Basis zerstören würden. Die Kriege im Kongo, in Somalia und auch in Afghanistan sind traurige Beispiele hierfür.

Der internationale Terrorismus kann in diesem Zusammenhang ebenfalls als eine Form der neuen Kriege verstanden werden. Auch hier treten nichtstaatliche Akteure auf, die mit einfachen Mitteln die Sicherheitslage von Staaten bedrohen. Eine Unterscheidung in Zivilisten und Soldaten ist hier gänzlich unmöglich geworden, da einige Attentäter nach außen hin völlig assimiliert in den betroffenen Gesellschaften gelebt haben. Terroristische Organisationen setzen dabei vor allem auf die psychischen Effekte der Gewalt. Die Anschläge des 11. September wurden fast „live“ in die ganze Welt übertragen und so erreichte der Schrecken, der dieser Gräueltat innewohnte, ein Millionenpublikum.

Dies zeigt, welche Bedeutung Medien für die Akteure — seien es Staaten oder Terrororganisationen — erlangt haben. Der Reflex, mit dem Staaten auf diese Gewalt reagieren, zeigt, dass sie z.T. noch in den Kategorien des Staatenkrieges denken. Diese Strategien können aber den Herausforderungen neuer Kriege nicht gerecht werden, was sich auch darin zeigt, dass die erhofften schnellen militärischen Erfolge — beispielsweise im Irak und in Afghanistan — ausbleiben.

Wenn wir von Krieg sprechen, dann denken wir immer auch an Frieden. Eine isolierte Betrachtung des Krieges ist nicht sinnvoll, da wir Krieg als etwas Negatives betrachten und den Frieden herbeisehnen. Doch was ist Frieden?

Als erster Schritt kann man Frieden als die Abwesenheit des Krieges verstehen. Dieser negative Friedensbegriff wurde aber häufig kritisiert und durch den positiven Friedensbegriff ergänzt. Die Abwesenheit von Krieg ist hier nur die Voraussetzung, dass sich ein Zustand entwickeln kann, den Kant als „Frieden in Freiheit“ bezeichnet hat. Um den Zustand des Friedens zu erreichen, bedarf es der Abwesenheit physischer und struktureller Gewalt. Frieden setzt Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit voraus.

Dieter Senghaas bezeichnet Frieden als „Zivilisierungsprozess“, den er mit seinem Modell des „zivilisatorischen Hexagons“ verdeutlicht. Dabei bestimmt er sechs Kriterien, die für eine dauerhafte Friedensbildung erfüllt werden müssen: die Entprivatisierung der Gewalt, d.h. Ausbildung eines staatlichen Gewaltmonopols, die Herausbildung von Rechtsstaatlichkeit, die Affektkontrolle, demokratische Beteiligung, soziale Gerechtigkeit und eine konstruktive politische Konfliktkultur.

Zivilisierte Gesellschaften, die in Frieden leben, müssen diese Bedingungen erfüllen. Ein Blick auf aktuelle kriegerische Konflikte zeigt, wie weit viele Gesellschaften von diesem Zustand des Friedens noch entfernt sind.

Wie weit die Welt vom Frieden entfernt ist, zeigen auch die vielen bewaffneten Konflikte, die momentan ausgetragen werden. Seit 2003 steht der Irakkrieg im Mittelpunkt des weltweiten Interesses. Von einer friedlichen Lösung des Konflikts ist man noch weit entfernt. Die Lage in Afghanistan spitzt sich zu und hochrangige Militärs sprechen nicht mehr von einer Friedensmission, sondern von Krieg. Auch im Nahostkonflikt ist man einer friedlichen Lösung kaum näher gekommen. Die Konflikte, die als Folge des Zerfalls der Sowjetunion entstanden sind und die sich immer wieder in Kriegen — auch Staatenkriegen — entladen, scheinen noch nicht vorüber zu sein. Dies zeigt die angespannte Lage im Kaukasus. Besonders bedrückend ist aber die Lage in Afrika. Hier toben die Kriege mit den weltweit gravierendsten humanitären Folgen: Der Krieg in der sudanesischen Region Dafur, die Lage im Kongo und in Somalia werden die Welt noch über Jahre hinaus beschäftigen.


Kompetenzerweiterung

Die vorliegende Unterrichtseinheit ist in vier Teile gegliedert. Im Mittelpunkt des Einstiegs steht die Frage, was Krieg für die betroffenen Menschen bedeutet. So sollen zu Beginn bewusst die Folgen von Krieg und Gewalt thematisiert werden, damit Schülerinnen und Schüler dieses wichtige Thema nicht nur analytisch erfassen.

Der zweite Teil der Einheit widmet sich der Frage, was Krieg eigentlich ist. Neben einer Bestandsaufnahme aktueller kriegerischer Konflikte steht die Unterscheidung von klassischen Staatenkriegen und neuen Kriegen im Mittelpunkt. Dabei werden unterschiedliche Formen neuer Kriege erarbeitet. Neben dem Krieg in Afghanistan und dem internationalen Terrorismus wird dabei das Schicksal von Kindersoldaten beleuchtet. Der Krieg im Kaukasus kann die Frage aufwerfen, ob es nicht auch noch den klassischen Staatenkrieg gibt.

Die Rolle der Medien wird in einem separaten Teil thematisiert. Die Berichterstattung über den Irakkrieg hat gezeigt, wie problematisch die mediale Vermittlung von Kriegen sein kann. Im dritten Teil wird deshalb nach der Bedeutung und der Verantwortung der Medien gefragt. Im abschließenden Teil sollen sich Schülerinnen und Schüler nicht mehr mit Krieg, sondern mit verschiedenen Friedensbegriffen auseinandersetzen.

Die Unterrichtseinheit fördert den Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichen Ebenen.

Sie steigern ihre Analysekompetenz, indem sie verschiedene Arten von Kriegen und unterschiedliche Stufen der Friedensbildung unterscheiden und auf aktuelle Fälle anwenden können. Sie schulen ihre Urteilsfähigkeit, indem sie auf der Basis des angeeigneten Wissens, die Rolle der Medien bei der Kriegsberichterstattung und Maßnahmen zur Friedensbildung erörtern und die Reaktionen der Staaten auf neue Kriege bewerten können.