Keep America great?!


Einzelausgabe
Die Präsidentschaftswahlen im Kontext des politischen Systems der USA (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Ausland , Sachthemen
Erscheinungsjahr: 2020
Zielgruppe: Sekundarstufe II: Ab Jahrgangsstufe 10, Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Heft, DIN A4, perforiert, 28 Seiten, inkl. 2 farbige OH-Folien
Seitenzahl: 28
Autor: Olaf Beckmann, Benjamin Schmitt, David Sirakov, Sarah Wagner
Produktnummer: 40-2005

21,50 €

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Produktinformationen "Keep America great?!"

Die Krisen dominieren den Wahlkampf, und es ist mehr als deutlich, dass am 3. November 2020 eine Richtungsentscheidung ansteht: Gibt es eine ­weitere Amtszeit für Donald Trump oder wird Joe Biden neuer Präsident?
Und welche Mehrheiten ergeben sich im Kongress? Vor diesem Hintergrund bietet das vorliegende Heft differenzierte Einblicke in Amerikas Politik und Gesellschaft.
Im Besonderen sollen die längerfristigen Trends und Entwicklungen in den USA in den Blick genommen werden.


Die vorliegende Unterrichtseinheit ist in vier Teile gegliedert:

  • Der erste Teil fördert schwerpunktmäßig die Sachkompetenz über die präsidentielle Demokratie der USA.
  • Der zweite Teil beschäftigt sich explizit mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA unter Trump.
  • Mit den in den beiden ersten Teilen entwickelten Erkenntnissen können die Schülerinnen und Schüler im dritten Teil den aktuellen Wahlkampf und bedeutsame Wahlkampfaktivitäten analysieren (Analysekompetenz) und in der vergleichenden Perspektive zur Bundesrepublik Deutschland kategorial beurteilen (Urteilskompetenz).
  • Den Abschluss der Reihe bildet mit dem vierten Teil eine für eine Doppelstunde konzipierte Klausur einschließlich möglichem Erwartungshorizont.

Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese Ausgabe enthält Unterrichtsmaterial zu folgenden Themen:

1. Teil: Die präsidentielle Demokratie der USA
  • Die Entstehung der präsidentiellen Demokratie
  • Das Verfassungssystem der USA
  • Das Amtsenthebungsverfahren als stärkste Waffe des Kongresses
  • Beschränkungen durch den Supreme Court
  • Parteien im US-System
  • Die Medien als vierte Gewalt
  • Systemvergleich USA und Deutschland
  • Verfassungsschaubilder USA – Deutschland
2. Teil: Die USA unter Donald J. Trump
  • Populismus als Herausforderung für die Demokratie
  • Interpretation des Präsidentenamtes unter Trump
  • Ideologische Polarisierung im Repräsentantenhaus
  • Die zivilgesellschaftliche Reaktion AKTUELL
3. Teil: Wahlen und Wahlkampf in den USA
  • Das Wahlverfahren der US-Präsidentschaftswahl
  • Wahlkampffinanzierung in den USA
  • Nominierungsprozess der Parteien 17 und EXTRA
  • Nominierungsprozess Schaubild
  • Klassische Wahlkampfaktivitäten und Rolle der sozialen Medien
4. Teil: Klausurvorschlag + Erwartungshorizont
  • Klausurvorschlag
  • Erwartungshorizont


Einleitung

Eine Pandemie mit mehr als 130.000 Toten (Stand 08.07.2020), die schwerste Wirtschaftskrise seit der Great Depression in den 1930er-Jahren und landesweite Proteste gegen Diskriminierung und Polizeigewalt – im Wahljahr 2020 befindet sich die USA im Ausnahmezustand.

Die Krisen dominieren den Wahlkampf, und es ist mehr als deutlich, dass am 3. November 2020 eine Richtungsentscheidung ansteht: Gibt es eine weitere Amtszeit für Donald Trump oder wird Joe Biden neuer Präsident? Und welche Mehrheiten ergeben sich im Kongress? Vor diesem Hintergrund bietet das vorliegende Heft differenzierte Einblicke in Amerikas Politik und Gesellschaft. Im Besonderen sollen die längerfristigen Trends und Entwicklungen in den USA in den Blick genommen werden. Dazu zählen zum Beispiel die ¬parteipolitische Polarisierung, die sich quer durch die Politikfelder zieht, die Auseinandersetzung zwischen Kongress und Präsident um Macht und Einfluss und die Frage, wie sich bestimmte politische Prozesse, Normen und Traditionen in der Amtszeit von Donald Trump verändert haben. Vor den Präsidentschaftswahlen stellt sich das politische System der USA als ein hyperpolarisiertes dar. Es wäre sicherlich nicht zutreffend, die Verantwortung für diese Entwicklung allein Donald Trump zuzuschreiben. Nichtsdestotrotz scheint diese Entwicklung unter Trump zumindest zu kumulieren und offensichtlich zutage zu treten.

Aus europäischer Perspektive war das politische System der USA eher durch eine konsensorientierte politische Kultur ohne große ideologische Unterschiede zwischen den politischen Hauptakteuren (Demokraten und Republikanern) gekennzeichnet. Diese Polarisierung begann in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts und führte zuerst zu einer -stärkeren inneren Homogenisierung der politischen Lager. Während die Demokraten sich der Bürgerrechtsbewegung annäherten und damit ihre Dominanz im amerikanischen Süden verloren, erstarkte bei den Republikanern eine radikal-libertäre Strömung, die Staatseingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft als Verrat an uramerikanischen Prinzipien deutete. Als Folge dieser Entwicklungen wurden die Demokraten bzw. die Republikaner zunehmend als liberal bzw. als konservativ wahrgenommen. Mit diesem Wechsel veränderten sich in der Konsequenz die Wählerbasen beider Parteien: Die Demokraten verloren den konservativen Süden, und gleichzeitig schwanden die ehemaligen liberalen Parteihochburgen der Republikaner im Nordosten des Landes. Während die Unterschiede zwischen den Parteien wuchsen, löste sich der extreme Dualismus im Inneren der Parteien auf, die jetzt viel eindeutiger als „konservativ“ und „liberal“ auftraten und auch wahrgenommen wurden.

Das beseitigte eine spezifisch amerikanische Anomalie und schuf überhaupt erst die Voraussetzungen für einen ideologisch markanteren und schärferen Parteienwettbewerb. In den Sechzigerjahren prägte sich aber auch eine soziokulturelle Konfliktlinie im Parteiensystem heraus, die sich im Wesentlichen zwischen den Polen „schweigende Mehrheit“ und „unterdrückte Minderheiten“ entfaltete. Auf der einen Seite vertraten die Republikaner diejenigen Amerikaner, die nicht protestierten oder demonstrierten, während die Demokraten sich als Anwalt der unterdrückten Minderheiten positionierten. In dieser soziokulturellen Konfliktlinie ging es nicht darum, wie viel man besaß, sondern wer man war, wie man fühlte und wie man lebte. Die Lebensstile führten jetzt zusehends zur politischen Polarisierung, sodass es nicht verwunderlich ist, dass der Milliardär Trump 2016 überwiegend von Angehörigen der weißen Arbeiterschaft gewählt wurde.

Ein weiterer Polarisierungsfaktor war die Bindung konservativer Protestanten an die Republikanische Partei in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Aufgeschreckt durch die grundsätzliche Legalisierung der Abtreibung durch den Supreme Court und Forderungen nach der Ermöglichung gleichgeschlechtlicher Ehen politisierten sich diese christlichen Gruppen zusehends, und Ronald Reagan gelang es, sie dauerhaft an die Republikanische Partei zu binden. Um die politische Hyperpolarisierung zu verstehen, kommt aber noch eine weitere Entwicklung zu den bereits genannten hinzu. Die politische Spaltung hat ein gesellschaftliches Pendant, welche erst das fortwährende postfaktische Handeln Trumps ermöglicht. Es sind zwei diametral entgegengesetzte Lebenswelten entstanden, die mehr oder minder keine Berührungspunkte mehr besitzen und kommunikativ nicht mehr miteinander agieren können.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die amerikanische Medienlandschaft. Der Aufstieg des konservativen Nachrichtensenders Fox News und seines liberalen Pendants MSNBC hat das Auseinanderklaffen konträrer Realitätswelten besonders deutlich gemacht. Dazu kommt noch die enorme Zunahme eindeutig parteiischer Formate im Internet. Zu dieser Separierung der politischen Lager in der medialen Welt kommt eine weitere Trennung in der realen Lebenswelt. Die Zahl der Countys – in etwa vergleichbar mit deutschen Landkreisen –, die von einer der beiden Parteien mit einem Vorsprung von 20 Prozent oder mehr gehalten werden, hatte sich bereits 2008 im Vergleich zu den 1970er-Jahren annähernd verdoppelt. Bei der Wahl 2016 waren es sogar acht von zehn Countys, in denen es keinen spannenden politischen Wettbewerb mehr gab und politische Monokulturen entstanden waren. Demokraten ziehen in die Nähe anderer Demokraten, Republikaner dorthin, wo viele Republikaner wohnen. Die Ursachen für diese Separierung liegen vor allem in einer zunehmend wichtigeren Ähnlichkeit der Lebensstile.

In Amerikas Kirchen beten Demokraten und Republikaner heute in verschiedenen Gemeinden. Sie heiraten weniger untereinander und drücken in Umfragen ein wachsendes Unbehagen über die Möglichkeit aus, eines ihrer Kinder könnte eine Republikanerin beziehungsweise eine Demokratin heiraten. Sie schauen unterschiedliche Fernsehsendungen und präferieren andere Helden. Kurzum haben sich die Lebenswelten des liberalen und des konservativen Amerikas immer stärker auseinanderentwickelt und die Berührungspunkte zwischen diesen beiden Strömungen sind immer weniger geworden. Das ist für das Verstehen der Präsidentschaft Trumps und des aktuellen Wahlkampfes insofern bedeutsam, als auf Grundlage dieser Hyperpolarisierung erst die Zuspitzung der ideologischen Echokammern verständlich wird: In sozialen Gruppen, die ideologisch homogen sind und in denen der Dissens fehlt, können keine fremden Stimmen mehr eindringen, während gleichzeitig die bereits existierenden um ein Vielfaches verstärkt werden.

Ob diese politische und gesellschaftliche Polarisierung durch die Wahl von Biden gebremst werden kann, bleibt abzuwarten, ist aber auf der Grundlage der Struktur dieser Polarisierung zu bezweifeln.

Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler

Die vorliegende Unterrichtseinheit ist in vier Teile gegliedert.

Der erste Teil fördert schwerpunktmäßig die Sachkompetenz über die präsidentielle Demokratie der USA. Die Materialien in diesem Teil versuchen, die Besonderheiten des amerikanischen politischen Systems – ausgehend von seiner Entstehung hin zum institutionellen Verfassungssystem sowie das Zusammenspiel der zentralen Akteure – zu erklären. Dieser Teil lässt sich auch losgelöst von den Präsidentschaftswahlen z.B. in der komparativen Regierungslehre unterrichten.

Der zweite Teil beschäftigt sich explizit mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA unter Trump. Die Materialien beschäftigen sich mit der in der Einleitung bereits angesprochenen Hyperpolarisierung und verdeutlichen auch, wie Trump das Präsidentenamt neu interpretiert hat. Dieser Teil lässt sich sowohl zum Verständnis und zur Beurteilung (Urteilskompetenz) des aktuellen Präsidentschaftswahlkampfs als auch später zur retrospektiven Betrachtung nutzen.

Mit den in den beiden ersten Teilen entwickelten Erkenntnissen können die Schülerinnen und Schüler im dritten Teil den aktuellen Wahlkampf und bedeutsame Wahlkampfaktivitäten analysieren (Analysekompetenz) und in der vergleichenden Perspektive zur Bundesrepublik Deutschland kategorial beurteilen (Urteilskompetenz). Schließlich kann in diesem dritten Teil auch eine handlungsorientierte Simulation (TV-Duell) unterrichtlich umgesetzt werden. Diese Handlungsorientierung bietet sich auch bei dem Wahlakt selber an, der in Form einer Wahlparty an der Schule, zumindest mit den Schülern und Schülerinnen der gymnasialen Oberstufe, angeboten werden kann.

Den Abschluss der Reihe bildet eine für eine Doppelstunde konzipierte Klausur einschließlich möglichem Erwartungshorizont.