Demokratie und Digitalisierung


Einzelausgabe
Aufeinandertreffen in neuen Dimensionen: Gefahr für die Demokratie? (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/Gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Demokratie
Erscheinungsjahr: 2018
Zielgruppe: Sekundarstufe II : Ab Jahrgangsstufe 10/Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Heft, DIN A4, perforiert, 28 Seiten, inkl. 2 farbige OH-Folien
Produktnummer: 40-1801

21,50 €

Verfügbar, Lieferzeit 1-3 Tage

Produktinformationen "Demokratie und Digitalisierung"

Die im 5. Jahrhundert v. Chr. gegründeten Stadtstaaten sind früheste Beispiele der demokratischen Idee, welche natürlich seit den frühesten Anfängen einem steten Wandel unterworfen ist. Die charakteristischen Merkmale wie beispielsweise die Grund-, Bürger- und Menschenrechte, Meinungsfreiheit und das Mehrheits- bzw. Konsensprinzip führen nachweislich zu einer höheren Zufriedenheit im Leben der einzelnen Bürgerinnen und Bürger. Das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein, mitreden und mitwirken zu können, ist wesentlich für den gesellschaftlichen Frieden. Genau dieser Ansatz erklärt auch die in hohem Maße steigende Nutzerzahl von Social Media.

Die vorliegende Unterrichtseinheit zum Thema Demokratie und Digitalisierung gliedert sich in vier Teile.

Nach einer schülernahen Annäherung an das Thema im ersten Teil, behandelt der zweite Teil den Begriff "Demokratie". Die Schüler/-innen lernen hier auch die Form der repräsentativen Demokratie kennen.

Im dritten Teil der Unterrichtsreihe geht es um die Digitalisierung inklusive der Analyse einer individuellen Nutzung.

Der abschließende vierte Teil konzentriert sich nun auf das Aufeinandertreffen von Demokratie und Digitalisierung. Die Lerngruppe untersucht umfassend den Einfluss von Social Media auf Meinungsbildungsprozesse.

Am Ende der Unterrichtseinheit folgt eine Auseinandersetzung mit den Gefahren von Cyber-Attacken.

Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese Ausgabe enthält Unterrichtsmaterial zu folgenden Themen:

1. Teil: Demokratie und Digitalisierung im Alltag
  • Demokratie und Digitalisierung
  • Demokratie – was bedeutet das für mich?
  • Demokratie – in „meinem“ digitalen Raum vertreten?
2. Teil: Demokratie
  • Demokratie – Annäherung an eine Definition
  • Repräsentative Demokratie
  • Warum Demokratie?
3. Teil: Digitalisierung
  • Was ist Digitalisierung?
  • Digitalisierung – Überschneidungen des Privaten mit dem politischen Rahmen
  • Digitalisierung – die Bandbreite der Bereiche
4. Teil: Demokratie trifft Digitalisierung
  • Operator „beurteilen“
  • Einfluss sozialer Medien auf Meinungsbildungsprozesse – Teil 1
  • Meinungsbildung / Urteilen EXTRA
  • Einfluss sozialer Medien auf Meinungsbildungsprozesse – Teil 2
  • Einfluss sozialer Medien auf Meinungsbildungsprozesse – Teil 3
  • Säulendiagramm: Facebook-Abonnenten der Parteien
  • Digitalisierung ausgenutzt? Donald Trump und die sozialen Medien
  • Karikatur: Digitalgipfel
  • Erstellung einer Karikatur EXTRA
  • Digitalisierung genutzt: Digitales Vorzeigeland Estland – übertragbares Modell?
  • Ist durch die Digitalisierung das demokratische System in Gefahr?
  • Eine Karikatur selbst erstellen

Einleitung

Im Vergleich zur Demokratie ist die Digitalisierung blutjung.
Die im 5. Jahrhundert vor Christus gegründeten Stadtstaaten sind früheste Beispiele der demokratischen Idee, welche natürlich seit den frühesten Anfängen einem steten Wandel unterworfen ist und in Phasen der Menschheitsgeschichte leider beinahe in Vergessenheit zu geraten schien. Doch der rote Faden zu ihr konnte glücklicherweise immer wieder aufgenommen werden. Die charakteristischen Merkmale wie beispielsweise die Grund-, Bürger- und Menschenrechte, Meinungsfreiheit und das Mehrheits- bzw. Konsensprinzip führen nachweislich zu einer höheren Zufriedenheit im Leben der einzelnen Bürgerinnen und Bürger. Das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein, mitreden und mitwirken zu können, ist wesentlich für den gesellschaftlichen Frieden.

Genau dieser Ansatz erklärt auch die immens steigende Nutzerzahl von Social Media. Durch die Digitalisierung, die im späten 20. Jahrhundert um sich griff und sich zunächst im nicht privaten Bereich der Technologie eine Basis schaffen musste, ist sie im 21. Jahrhundert in allen Bereichen Teil der Infrastruktur – im staatlichen, unternehmerischen und auch im privaten Bereich. Der technische Fortschritt sowie innovative Kommunikationsplattformen ermöglichen es nun jeder Bürgerin und jedem Bürger, ohne zeitliche Verzögerung Gebrauch von der Meinungsfreiheit zu machen. Die Unmittelbarkeit der Meinungsäußerung und Bewertung steht allen jederzeit und von jedem Ort aus offen. Eine zutiefst demokratische Grundidee, die auch die Gleichberechtigung impliziert.

Doch was geschieht, wenn die uralte Demokratieidee auf diese Neuerung gesellschaftlicher und politischer Strukturen stößt? Wird die Demokratie um eine Säule breiter aufgestellt und stabilisiert oder destabilisiert diese Entwicklung womöglich bestehende Säulen?

Um die Beantwortung der Frage vorwegzunehmen: Sowohl als auch.
Um aber die Chancen und Risiken als solche zu erkennen, einschätzen, beurteilen und sich dazu verhalten zu können, bedarf es zunächst einer differenzierten Auseinandersetzung der beiden abstrakten Begriffe „Demokratie“ und „Digitalisierung“. Bei der Annäherung des ersten Begriffs muss bereits eine Eingrenzung stattfinden, denn genauso vielfältig, wie sich die Demokratie im Laufe der Chronologie ihrer Existenz gezeigt hat, genauso viele Gesichter hat sie synchron – je nach der formellen Ausgestaltung im einzelnen Staat und je nach Umsetzung des verfassungsrechtlichen Rahmens. Es gilt, die charakteristischen und allgemeingültigen Werte, die einer Demokratie zugrunde liegen und viel mit einer gewachsenen demokratischen Kultur zu tun haben (was im Übrigen auch erklärt, weswegen es meist scheitert, wenn Staaten plötzlich eine Demokratie oktroyiert bekommen), herauszukristallisieren. Erst wenn die Werte einer Bewusstmachung und auch Wertschätzung unterzogen worden sind, kann erörtert oder bewertet werden, ob die Demokratie durch Elemente der Digitalisierung gefährdet wird.
Hierzu muss allerdings auch die Digitalisierung erfasst werden – welche Lebensbereiche sind auf welche Art davon durchzogen? Es bedarf einer intensiven Aufklärung und eines Bewusstmachungsprozesses, was hinter dem selbstverständlichen Nutzen digitaler Medien steckt, und einer Sensibilisierung der Online-Partizipation.
Ein aufgeklärtes Verhalten im Umgang mit den eigenen Daten sowie vor allem beim Platzieren direkter Kommentare trägt zu einer Partizipation im Sinne einer „humanen Digitalität“ bei.

Das Aufeinandertreffen von Demokratie und Digitalisierung ist jedenfalls ein irreversibler Prozess, von dem wir alle schon längst betroffen sind. Und alles, was das eigene Leben unmittelbar berührt – das der Schülerinnen und Schüler vermutlich umso mehr –, muss einer Reflexion unterzogen werden.

Was passiert nun also mit der Demokratie im Zuge der rasant expandierenden Digitalisierung? Einerseits bietet sie viele Möglichkeiten, mit geringem Aufwand an Geschehnissen weltweit teilzuhaben und Meinungen zu äußern. Dies bringt eine exponentielle Zunahme an Daten und Informationen mit sich, die wiederum gefiltert und eingeschätzt werden müssen. Potenziell ist die Digitalisierung eine Intensivierung der Demokratie. Andererseits wird professioneller Journalismus stark relativiert, v.a. wenn man sich ansieht, wie „Twitter-Trump“ seine Amtshandlungen vor allem selbst in alle Welt streut, damit dieses das Echo vieler Medien provoziert. Die Medien sind dann nicht selten mit der Auseinandersetzung seiner Tweets beschäftigt und stellen das sachliche Berichterstatten über „policy“ zurück. Dies ist nur einer von zahlreichen Aspekten, den man unter die Lupe nehmen kann – allgemein festhalten lässt sich vielleicht lediglich die Erkenntnis, dass die Digitalisierung – wie alle Revolutionen der Menschheitsgeschichte, und auch so muss die durchdringende Digitalisierung eingeordnet werden – bisher Sonnen- und Schattenseiten mit sich brachte. Um auf die Griechen zurückzukommen: Panta rei! Das bedeutet so viel wie „Alles ist im Fluss!“. Es gilt der digitalen Revolution ins Auge zu blicken und in diesem Fluss nicht unterzugehen. Das bedeutet nicht, dass wir immer mit dem Strom schwimmen müssen. Sondern wir müssen uns der Geschwindigkeit des Stroms und seiner Gefahren bewusst sein, um weiterzukommen. Es liegt an uns allen, wohin der Strom uns führt. Für die Schülerinnen und Schüler gilt es, Orientierungs- und Anhaltspunkte zu liefern, damit sie sich über ihren Standort und ihr Ziel in der digitalen Welt, die demokratisch bleiben sollten, Klarheit verschaffen können.

Kompetenzerweiterung

Die vorliegende Unterrichtseinheit zum Thema Demokratie und Digitalisierung ist in vier Teile gegliedert.

Der erste und kleinste Teil soll eine schülernahe Annäherung ans Thema bieten und die Schülerinnen und Schüler „abholen“. Ein kleiner Input, der den Politikbegriff aufzuschlüsseln hilft, soll einen stützenden Rahmen für ein Demokratie-Brainstorming sein. Anschließend geht es direkt um eine Verortung demokratischer Elemente in den von den Schülerinnen und Schülern genutzten Social Media.

Im zweiten Teil geht es um eine differenzierte Klärung des Begriffs „Demokratie“. Ein Begriff, den sicherlich alle schon einmal gehört haben und nach der Erarbeitung dieses Teils auch definieren und spezifizieren können. Neben charakteristischen Merkmalen einer Demokratie wird die repräsentative Demokratie als besondere Form der Demokratie erläutert. Der Schluss dieses Parts soll den Wert der Demokratie in Anknüpfung an das Leben der Schülerinnen und Schüler aufgreifen.

Im dritten Teil der Unterrichtsreihe geht es um die Digitalisierung, die de facto von den Schülerinnen und Schülern wohl intensiv gelebt wird, aber mutmaßlich noch keiner intensiven Bewusstseinsmachung unterzogen wurde. Nach spontanen Assoziationen zum Begriff geht es um eine Analyse der individuellen Nutzung. Diese leitet in die Erwartungen an eine Demokratie über, in der digitalisierte Bereiche des Alltags Standard sind. Auch undemokratische Aspekte in der digitalen Welt sollen diskutiert werden. Nachdem die Schülerinnen und Schüler sich der Bandbreite der Digitalisierung bewusst geworden sind, wird übergeleitet in den brisantesten Teil der Unterrichtsreihe.

Der abschließende vierte Teil konzentriert sich nun auf das Aufeinandertreffen von Demokratie und Digitalisierung, das zuvor bereits angeschnitten wurde. Relativ umfassend wird der Einfluss von Social Media auf Meinungsbildungsprozesse untersucht werden. Dies geht beispielsweise Hand in Hand mit einer Unterscheidung von „meinen“ und „differenziert beurteilen“, was im Netz doch oftmals verwechselt wird. Explizit näher eingegangen wird auf das Medium Facebook und das v.a. daraus resultierende Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Neben spezifischen Inhalten soll den Schülerinnen und Schülern im Zuge dessen auch der Operator „beurteilen“ aufgeschlüsselt werden, der Politikzyklus eingeführt (oder wiederholt) werden und Kriterien für ein politisches Urteil zur Hand gegeben werden. Anschließend wird ein Bezug zu anderen Ländern hergestellt: Exemplarisch werden die bereits angesprochenen Sonnen- und Schattenseiten aufgegriffen. Trumps Tweets sollen kritisch beäugt werden und eine damit immer wieder diskutierte einhergehende Gefährdung der Demokratie erörtert werden. Als ein eher positiv einzustufender Umgang mit den Möglichkeiten der Digitalisierung wird Estland herangezogen. Der digitale Vorzeigestaat stellt eine Inspiration dar, das Konzept ist aber nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragbar, was im Zuge der Analyse klar werden sollte.
Am Ende folgt eine Auseinandersetzung mit den Gefahren von Cyber-Attacken, die in einer kreativen Aufgabe – der Erstellung einer eigenen Karikatur – münden soll. Schließlich kann der Bogen zum Einstieg in die Einheit gespannt werden, indem die Präsenz (oder mangelnde Präsenz) der EU in den Social Media nochmals aufgegriffen werden kann und handlungsorientiert Lösungsvorschläge gemacht werden können.

Die vorliegende Unterrichtsreihe ist eine durchaus anspruchsvolle, die den Schülerinnen und Schülern teilweise Vorwissen und ein politisches Grundverständnis abverlangt. Sie trainieren ihre Analysekompetenz, indem sie begrifflich exakt arbeiten und die fachsprachliche Terminologie richtig verwenden müssen. Auch die Urteilskompetenz wird letztlich in jedem Part einbezogen und die Handlungskompetenz soll den „vernetzten Jugendlichen“ von heute einen bewussten und aufgeklärten Umgang erleichtern, da er Spielräume aufzeigen soll.
Vorgeschlagen wird der Einsatz der Unterrichtsreihe frühestens ab Jahrgangsstufe 9, eher 10 oder 11.