(De-)Globalisierung:


Einzelausgabe
Ein Konzept am Scheideweg? (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Deutschland , Sachthemen
Erscheinungsjahr: 2021
Zielgruppe: Sekundarstufe II: Ab Jahrgangsstufe 10, Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Print: Heft, DIN A4, perforiert, 28 Seiten, inkl. 2 farbiger OH-Folien; Online: Heft (PDF und Word), Bilder (.jpg)
Seitenzahl: 28
Produktnummer: 40-2101

21,50 €

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Produktinformationen "(De-)Globalisierung:"

Die vorliegende Unterrichtseinheit stellt die Globalisierung im ersten Teil in zentralen Facetten und Dimensionen vor.


Die vorliegende Unterrichtseinheit gliedert sich in drei Teile:

Im ersten Teil der Unterrichtsreihe werden ausgewählte zentrale Dimensionen der Globalisierung vorgestellt, analysiert bewertet. Im Zentrum dieses Teiles stehen vor allem die wirtschaftlichen, wirtschaftspolitischen, ökologischen und sozialen Dimensionen der fortschreitenden Vernetzung.

Im zweiten Teil werden die im ersten Teil dargestellten Entwicklungen in den zentralen Dimensionen auf ihre negativen Folgen untersucht und die Frage aufgeworfen, ob die Globalisierung zum Stillstand gekommen ist. Die Schüler/-innen entwickeln Strategien die „Schattenseiten der Globalisierung“ zu verändern, welche sie im dritten Teil in ein konsistentes Zukunftsszenario einbinden sollen.

Im dritten Teil der Unterrichtsreihe beschäftigen sich die Schüler/-innen mit der Zukunft der Globalisierung, indem sie sich das Konzept der Globalisierung mit Hilfe eines Interviews erarbeiten und auf dieser Grundlage produktorientiert Szenarien entwickeln und diese unter den Kategorien des Wünschenswerten und des Realistischen bewerten.

Abgerundet wird die Unterrichtsreihe mit einem Aktuell, das sich mit den Gestaltungsmächten der Weltwirtschaft (G7 + G20) befasst und deren Handlungsfähigkeit kritisch untersucht.

Die Unterrichtsreihe lässt sich als Ganzes oder in Teilen unterrichtlich nutzen.


Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese Ausgabe enthält Unterrichtsmaterial zu folgenden Themen:

1. Teil: Wie ist die wirtschaftliche Lage im Land?
  • Die Konjunkturindikatoren
  • Das „Magische Viereck“
  • Wie kann man Arbeitslosigkeit bekämpfen?
  • Zeitplanung für das Projekt zur Beschäftigungspolitik
  • Vorlage Tischkarten
2. Teil: Die Nachfragetheorie (Keynesianismus)
  • Was ist die Grundidee der Nachfragetheorie?
  • Antizyklische Konjunkturpolitik
  • Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit aus keynesianischer Sicht
  • Kritik am Keynesianismus
  • Staatsverschuldung in Europa (in Prozent des BIP)
  • Wirtschaftspolitische Überwachung in der EU AKTUELL
3. Teil: Die Angebotstheorie (Neoliberalismus)
  • Was ist die Grundidee der Angebotstheorie?
  • Grundannahmen der Angebotstheorie
  • Ursachen für Arbeitslosigkeit aus neoklassischer Sicht
  • Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit aus neoliberaler Sicht
  • Kritik an der Angebotstheorie
  • Ausgaben für Renten in der EU (in % des BIP)
4. Teil: Wie geht es Deutschland?
  • Überblick über die wirtschaftliche Lage aus Sicht der Bundesregierung
  • Konjunkturdaten für Deutschland
5. Teil: Wie geht es Griechenland?
  • Überblick über die wirtschaftliche Lage
  • Konjunkturdaten für Griechenland
  • Zinszahlungen Griechenlands
  • Arbeitslosigkeit in Griechenland, Deutschland und der EU
  • Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland, Deutschland und der EU
  • Gescheiterte Griechenlandhilfe


Einleitung

„Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen!“

Mit diesen Worten wandte sich die BILD-Zeitung im Jahre 2010 in zynischer Art an die griechische, aber eigentlich hauptsächlich an die deutsche Öffentlichkeit, um zu signalisieren, dass deutsche oder europäische Aufbauhilfe oder Kredite nicht nötig seien, solange es noch Tafelsilber zu verkaufen gäbe, und seien es Teile des eigenen Staatsgebietes.

Trotz der ersten Sparbemühungen hatte sich der Eindruck verfestigt, Griechenland verweigere seinen eigenen Anteil an der Rettung, zugespitzt in dieser Schlagzeile. Doch die vielen noch folgenden Sparpakete zeigten über die Jahre nicht die erwünschte Wirkung. Im Gegenteil: Griechenland rutschte immer weiter in die Wirtschaftskrise. Das BIP brach weiter ein, die Arbeitslosigkeit erreichte über 20%, die Jugendarbeitslosigkeit sogar über 50%; die Rettungsaktionen der EU (mithilfe des IWF) stießen teilweise an rechtliche Grenzen. So sieht die No-Bail-Out-Klausel der EU-Verträge keine Direktfinanzierung von Euro-Mitgliedsstaaten vor.

Diese Entwicklung führte zu grundlegenden Diskussionen, mit welcher Wirtschaftspolitik Griechenland wieder auf die Beine geholfen werden könne. So wurde von konservativen Parteien eine Fortführung der Austeritätspolitik gefordert: Griechenland müsse weiter sparen, die Löhne müssten gekürzt werden (griechische Oliven kosteten zu Beginn der Krise bei gleicher Qualität bis zu 30% mehr als türkische) und die Wirtschaft so wieder konkurrenzfähig gemacht werden. Von linken Parteien wurde die Forderung laut, dem Land eine Konjunkturspritze keynesianischer Art zu gönnen, also zusätzlich zu den Krediten, die die auslaufenden Bankenkredite Griechenlands ablösten und somit das Land solvent hielten, noch weitere Gelder bereitzustellen, die ggf. auch nicht oder nur teilweise zurückgezahlt werden sollten. Auch in Deutschland wurde diese Debatte wieder kontrovers geführt, unter anderem auch unter den Wirtschaftsweisen, nachdem jahrelang die Anhänger der Angebotsorientierung die Diskussion um den wirtschaftspolitischen Kurs Deutschlands weitgehend bestimmten.

Zuvor hatten sich die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) auf einen umfangreichen Aktionsplan geeinigt. Im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise erschafften die G20 abgestimmte Konjunkturprogramme, um die Folgen dieses Abschwungs aufzufangen. Arbeitslosigkeit hat viele verschiedene Ursachen. Im Vordergrund stehen in diesem Projekt die konjunkturelle und ggf. auch die strukturelle Arbeitslosigkeit, die durch wirtschaftspolitische Entscheidungen im Sinne der Nachfrage- oder Angebotsorientierung.

Das vorliegende Heft ist als Materialfundus und Ausgangspunkt für ein mögliches Projekt zu verstehen, in dem Schülerinnen und Schüler in die Rolle von Regierungsvertretern (von Griechenland oder Deutschland) oder Wirtschaftsberatern schlüpfen. Von einem Planspiel unterscheidet sich dieses Vorgehen darin, dass die Rahmenbedingungen des Agierens freier interpretiert werden können; der Projektcharakter entsteht durch eine selbst zu gestaltende Arbeitsphase mit den klassischen Elementen eines Projektes: Zieldefinition, arbeitsteilige Arbeitsphase, Ergebnis und Präsentation. Der Rollen- oder Planspielcharakter kommt in der Entscheidung der Regierungen für konkrete Maßnahmen zum Tragen. Das oberste Lernziel besteht darin, zu erkennen, dass in der Praxis der wirtschaftspolitischen Entscheidungen ein Maßnahmenmix von Elementen sowohl der Angebots- als auch der Nachfragetheorie sinnvoll sein kann. Mit Deutschland und Griechenland sollen hier ein wirtschaftlich starkes Land mit derzeit guter Ausgangslage und ein stark geschwächtes Land mit massiven strukturellen und konjunkturellen Problemen beraten werden. Dies erfordert sehr unterschiedliche Ansätze und ein wenig Kreativität.

Im ersten Teil des Heftes finden sich Angebote, um das Konzept des „Magischen Vierecks“ und verschiedene Formen der Arbeitslosigkeit einzuführen, um das Grundlagenwissen für dieses Projekt zu sichern. Dies sollte im Klassenverband geschehen und kann ggf. um weitere Materialien erweitert werden, wenn Ihnen diese Hinführung zu kurz vorkommt, z.B. um den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit darzustellen.

Auf der Folie 2 in der Heftmitte finden Sie mögliche Abläufe für das Projekt, die sie mit Ihrem Kurs oder Ihrer Klasse durchgehen können, um die konkreten Termine zu vereinbaren.

Der zweite Teil des Heftes umfasst dann das Material für die Gruppe 1: die nachfrageorientierten Wirtschaftsweisen. Die passenden Aufgabenblätter finden Sie im hinteren Teil des Heftes. Wenn Sie den Bewertungsvorschlag so übernehmen wollen, können Sie diese einfach kopieren, ansonsten schneiden Sie den unteren Teil einfach ab.

Der dritte Teil enthält den Materialpool für die Gruppe 2: die angebotsorientierten Wirtschaftsweisen. Für die Gruppe 1 und die Gruppe 2 finden Sie außerdem auf der Folie 1 je ein Zusatzmaterial, das verwendet werden kann.

Der vierte Teil liefert dann Zahlen und Konjunkturdaten zur Situation Deutschlands. Diese können ggf. mithilfe der angegebenen Quellen aktualisiert werden, hier dienen sie als Beispiel und als Darstellung der längerfristigen Trends.

Das Gleiche gilt für den fünften Teil, in dem die Konjunkturdaten zur Situation Griechenlands dargestellt sind.

Erfahrungsgemäß arbeiten sich die Schülerinnen und Schüler über Dokumentationen und Erklärvideos bei den gängigen Videoplattformen zügig in die Thematik und die jeweilige Aufgabe ein und finden mithilfe der Materialien in diesem Heft schnell auch weiteres Material für ihre Präsentation.

Es kann ggf. ein Mittel sein, vom Muster der Beratung durch die Wirtschaftsweisen etwas abzuweichen, indem man gezielt aufmerksamkeitsfördernde Maßnahmen in der Präsentation zulässt, entweder durch gut gestaltete Karikaturen, interessante Video-Einspieler oder einfach gut entwickelte Bilder (im Sinne von Metaphern), die komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge herunterbrechen. Am Ende kann durch eine solche Herangehensweise ein vertiefteres Verständnis erreicht werden als durch straff organisierte Inputphasen im regulären Unterricht.

Aus der Erfahrung der mehrfachen Durchführung möchte ich jedoch davor warnen, bei den Bewertungskriterien und den Vorgaben ungenau zu sein, daher auch der Bewertungsvorschlag, der auch in diesem Bereich wirtschaftliche Prinzipien (Konkurrenz, Leistungsprinzip) einführt. Gleichwohl gilt es auch hier, die Schülerinnen und Schüler dabei nicht allein zu lassen, weshalb hinten im Heft auch ein Begleitbogen für die Gruppenbewertung zu finden ist, um Konflikten vorzubeugen.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen beim Durchführen dieses Projektes!

Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler

Da es sich bei den Wirtschaftstheorien und der Auswertung von Konjunkturdaten um sehr komplexe und anspruchsvolle Inhalte handelt, ist eine Begleitung und behutsame Unterstützung der Schülerinnen und Schüler in der freien Arbeitsphase wichtig. Gleichzeitig müssen einige Kompetenzen vorausgesetzt werden:

  1. Der Umgang mit Statistiken sollte bereits geübt worden sein.
  2. Karikaturen sollten analysiert werden können.
  3. Konzepte wie das BIP als Wachstumsindikator oder der Konjunkturzyklus sind entweder bekannt oder Sie trauen Ihren Schülerinnen und Schülern die zügige eigenständige Erarbeitung zu.
  4. Preis-Mengen-Diagramme sollten vom Prinzip bekannt sein (das leistet z.T. auch der Mathematikunterricht).
  5. Die Schülerinnen und Schüler sollen mit verschiedenen Präsentationstechniken bzw. einer Präsentationssoftware vertraut sein.
  6. Es gibt im Kurs eingeübte Feedbackformen nach Präsentationen.

Gleichzeitig sind es jedoch genau diese Kompetenzen, die hier weiter geübt oder vertieft werden können. Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Analysekompetenz, indem sie begrifflich sauber arbeiten, Statistiken und Tabellen auswerten und die korrekten Schlüsse daraus ziehen, wie es zwei Staaten der Euro-Zone wirtschaftlich geht. Sie untersuchen, gerade auch im Austausch im Rahmen der Beratung durch die Wirtschaftsweisen, welche Lösungsansätze für die jeweilige Situation des Staates hilfreich sein könnten.

Sie stärken dabei ihre Urteilskompetenz, da sie gerade in der Gegenüberstellung der Nachfrage- und Angebotstheorie einen der großen Gegensätze von Ökonomen wahrnehmen und direkt praxisorientiert und kontrovers diskutieren. Die widersprüchlichen Antworten, wie man zu mehr Beschäftigung kommt, finden sich in fast jeder wirtschaftspolitischen Debatte wieder.

Die Schülerinnen und Schüler stärken ihre Methodenkompetenz, indem sie sich selbstständig mit der Visualisierung von Theorien, der Auswertung von Statistiken und Karikaturen sowie der eigenständigen Zusammenstellung einer Präsentation unter den Rahmenbedingungen einer vorgegebenen Rolle beschäftigen. Sie steuern weite Teile ihres Lernprozesses hier autonom.

Sie stärken letztlich vor allem ihre Handlungskompetenz, das höchste Ziel der politischen Bildung, da sie selbst zu handelnden Akteuren werden, die in dieser Rolle die Ergebnisse der Arbeitsphase präsentieren.