Der Syrienkonflikt


Einzelausgabe
Wie soll die internationale Staatengemeinschaft auf innerstaatliche Konflikte reagieren? (Unterrichtsmaterial ab Jahrgangsstufe 10/Gymnasiale Oberstufe)
Reihe: Politik betrifft uns
Themengebiet: Ausland , Deutschland , Kriege, Konflikte
Erscheinungsjahr: 2016
Zielgruppe: Sekundarstufe II : Ab Jahrgangsstufe 10/Gymnasiale Oberstufe
Beschaffenheit: Heft, DIN A4, perforiert, 28 Seiten, inkl. 2 farbige OH-Folien und CD-ROM (editierbare Texte und Bilder)
Seitenzahl: 34
Produktnummer: 40-1604

21,50 €

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Produktinformationen "Der Syrienkonflikt"

Betrachtet man die Weltkarte, so wird die Menschheit gerade von einer Vielzahl schrecklicher Konflikte heimgesucht. Wie soll die internationale Staatengemeinschaft auf solche Konflikte reagieren, um den Frieden auf der Welt zu sichern?
Der Bürgerkrieg in Syrien wird beispielsweise mit großer Härte ausgetragen. Die Folgen sind eine weitgehende Zerstörung des Landes, viele Todesopfer und eine riesige Flüchtlingsbewegung von Menschen.

Der Konflikt erscheint auch deswegen so komplex, weil eine Vielzahl nationaler und internationaler Akteure beteiligt sind. Für Europa stellt sich aus dem Syrienkonflikt noch eine ganz andere Frage:
Wie soll sich Europa in der Flüchtlingskrise verhalten? Die vorliegende Unterrichtsreihe zum Thema "Der Syrienkonflikt" ist in vier Teile gegliedert. 

Die vorliegende Unterrichtseinheit gliedert sich in vier Teile:

Im ersten Teil wird die Lerngruppe mit dem Problem zerfallender Staaten konfrontiert. Sie befasst sich mit den Folgen für die Menschen und mit der Frage, wie die internationale Staatengemeinschaft grundsätzlich auf dieses Problem reagieren soll.

Im zweiten Teil werden die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer klassischen Situationsanalyse mit den Ereignissen in Syrien vertraut gemacht. Der Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran wird ebenso thematisiert, wie die Rolle der Kurden.

Im dritten Teil der Unterrichtsreihe erarbeiten die Schülerinnen und Schüler zu der Leitfrage: "Wie kann die internationale Staatengemeinschaft auf Konflikte wie in Syrien reagieren?" verschiedene Handlungsmöglichkeiten.

Im abschließenden vierten Teil bewerten die Lernenden die unterschiedlichen Handlungsoptionen, die ein Staat hat. Auf diese Weise soll die Urteilsbildung der Lerngruppe gefördert werden.


Über "Politik betrifft uns" – Unterrichtsmaterial für den Politikunterricht

„Politik betrifft uns“ ist eine Fachzeitschriftenreihe zur Unterrichtsvorbereitung in Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde bzw. Politische Bildung in der Sekundarstufe II.

Im Abonnement erscheint die Publikation sechsmal im Jahr. Dabei thematisiert eine jede Ausgabe tagesaktuelle Geschehnisse aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft unter Berücksichtigung der Lehrpläne der Bundesländer.

Auf 28 Seiten wird eine komplette Unterrichtseinheit abgebildet. Aktuelle Texte, Statistiken, Interviews sind mit Aufgabenstellungen so aufbereitet, dass sie als Kopiervorlage direkt im Unterricht eingesetzt werden können. Die dazugehörigen Lösungen stehen Lehrerinnen und Lehrern im „Unterrichtsverlauf“ zur Verfügung. Eine Klausur mit Erwartungshorizont rundet jede Ausgabe ab.

Neben der gedruckten Form erscheint "Politik betrifft uns" auch digital. Online bekommen die Abonnentinnen und Abonnenten Zugriff auf die gesamte Ausgabe als PDF-Datei und editierbare WORD-Datei. So wird die Möglichkeit geboten, Arbeitsblätter für die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Außerdem sind Bilder und Karikaturen online einzeln verfügbar, um diese mit Beamer oder interaktivem Whiteboard präsentieren zu können.

„Politik betrifft uns“ ist bestellbar als Zeitschriften- oder Online-Abonnement.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einer erweiterten Schullizenz die Publikation in der Fachschaft und dem Schulnetzwerk zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Diese ausgabe enthält Unterrichtsmaterial zu folgenden Themen:

1. Teil Was kann man tun, wenn Staaten zerfallen?
  • Menschen auf der Flucht
  • Sollen wir uns in die Konflikte in anderen Staaten einmischen?
  • Können wir uns in die Konflikte in anderen Staaten einmischen?
  • Sollen wir uns in die Konflikte anderer Staaten einmischen?
2. Teil: Der Bürgerkrieg in Syrien — eine Konfliktanalyse
  • Der Bürgerkrieg in Syrien: Eine Chronologie der Ereignisse
  • Zerrissenes Syrien: Wer kämpft hier gegen wen?
  • Asylanträge in der EU
  • Ein Volk ohne Land? — Die Kurden im Nahen Osten
  • Sunniten und Schiiten im Nahen Osten
  • Länderdossier: Iran
  • Länderdossier: Saudi-Arabien
  • Länderdossier: USA
  • Länderdossier: Russland
  • Länderdossier: Türkei
  • Länderdossier: Die Europäische Union
  • Methode: Konflikte in den internationalen Beziehungen analysieren
  • Politik historisch betrachtet: Die Staatenbildung im Nahen Osten
3. Teil: Die unterschiedlichen Handlungsoptionen der internationalen Staatengemeinschaft
  • Luftschläge gegen extremistische Gruppen
  • Humanitäre Interventionen (Responsibility to Protect)
  • Militärische Interventionen ohne UN-Mandat
  • Diplomatische Bemühungen
  • Waffen an Konfliktparteien liefern
  • Nicht intervenieren und humanitäre Hilfe leisten
4. Teil: Was soll passieren? Urteilsbildung
  • Die EU und der Syrienkonflikt
  • Bewertung der Handlungsoptionen

Einleitung

„Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“ John F. Kennedy

Betrachtet man die Weltkarte, so wird die Menschheit gerade von einer Vielzahl schrecklicher Konflikte heimgesucht. Oft sind es innerstaatliche Konflikte, die mit großer Grausamkeit ausgetragen werden und großes Leid über die Menschen bringen. Für die internationale Staatengemeinschaft stellt sich dann die Frage, wie sie auf solche Konflikte reagieren soll, um den Frieden auf der Welt zu sichern. Grundsätzlich gewährt die Charta der Vereinten Nationen den Staaten die Souveränität über ihr Staatsgebiet zu. Das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten der Staaten stellt einen fundamentalen Grundsatz der internationalen Politik dar. In den letzten Jahren hat sich aber eine neue völkerrechtliche Norm herausgebildet, die die staatliche Souveränität infrage stellt. Immer dann, wenn es zu schweren Menschenrechtsverletzungen in einem Land kommt und der Staat selbst diese Verletzungen nicht verhindern kann oder selbst diese Verletzungen begeht, kann die Staatengemeinschaft zum Schutz der Menschenrechte und der Sicherheit der Menschen intervenieren. Diese Eingriffe in die staatliche Souveränität werden als „humanitäre“ Interventionen bezeichnet. Diese Schutzverantwortung („Responsibility to Protect“) steht in einem deutlichen Widerspruch zur staatlichen Souveränität. Deswegen kann nur der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen solche Einsätze nach umgehender Prüfung legitimieren. Zuletzt geschah dies in Libyen, nachdem das dortige Regime in einem blutigen Bürgerkrieg massive Menschenrechtsverletzungen begangen hatte. In Falle des Syrienkonflikts erfolgte ein solcher Beschluss nicht.
Der Bürgerkrieg in Syrien wird mit großer Härte ausgetragen. Die Folgen sind eine weitgehende Zerstörung des Landes, viele Todesopfer und eine riesige Flüchtlingsbewegung von Menschen, die versuchen, diesem Grauen zu entkommen. Der Konflikt erscheint auch deswegen so komplex, weil eine Vielzahl nationaler und internationaler Akteure beteiligt sind.
Das Assad-Regime kämpft seit einigen Jahren um den Machterhalt und kontrolliert die Küstenregion sowie die Städte Damaskus, Homs und Teile von Aleppo. Unterstützt wird das Regime von schiitischen Kräften, allen voran vom Iran. Die Iraner stehen in der Golfregion in einem Konflikt mit den sunnitischen Golfmonarchien. Dieser Konflikt wird auf politischer, ökonomischer und militärischer Ebene in Stellvertreterkriegen ausgetragen. Sunnitische und schiitische Kräfte bekämpfen sich im Jemen, aber vor allem in Syrien. Während die Iraner und die mit ihnen verbündete Hisbollah das Regime unterstützen, fördern die sunnitischen Staaten, allen voran Saudi-Arabien, die sunnitischen Rebellen. Ob sie auch den sogenannten „Islamischen Staat“ unterstützen, ist umstritten und wird von der saudi-arabischen Regierung stark dementiert.
Überlagert wird der Konflikt auch durch die Frage, wie mit der kurdischen Minderheit umgegangen werden soll. Während kurdische Kämpfer im Irak beispielsweise von Deutschland mit Waffen versorgt werden, sieht die türkische Regierung die kurdischen Rebellen immer noch als Terroristen an.
Durch den Einsatz von Luftstreitkräften durch die Vereinigten Staaten von Amerika, durch Frankreich und auch durch Russland verkompliziert sich der Konflikt noch mehr. Während Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris Stellungen des „Islamischen Staates“ bombardiert, unterstützt Russland das Assad-Regime im Kampf gegen die Rebellen und gegen den sogenannten „Islamischen Staat“. Eine konsequente Syrienpolitik der USA ist nicht zu erkennen. Das Scheitern der Intervention im Irak wirkt sich bis heute auf die Nahostpolitik der amerikanischen Regierung aus.

Aufgrund dieser unterschiedlichen Allianzen und der Vielzahl an Akteuren kann sich keine einheitliche Syrienpolitik ausbilden. Dennoch kann man unterschiedliche Strategien erkennen, die das internationale Agieren der Staaten kennzeichnen. Umstritten war von Anfang an eine humanitäre Intervention in Syrien. Kein Staat wollte sich militärisch engagieren und auch die regionale Rivalität zwischen den USA und Russland ließ diese Option als unwahrscheinlich erscheinen. Vielmehr entschieden sich einige Staaten aus der Luft militärisch in diesen Konflikt einzugreifen. Dies ist im eigenen Land politisch eher vermittelbar und mit deutlich geringeren Risiken verbunden. Eine Intervention ohne Mandat der Vereinten Nationen wurde auch diskutiert, zum Beispiel um Schutzzonen zu errichten, um Flüchtlinge und Minderheiten wie die Jesiden oder die Kurden zu schützen.
Die Bundesregierung entschied sich wie viele andere Staaten auch, Waffen an Konfliktparteien zu liefern, die am ehesten die Interessen Deutschlands repräsentieren. Außerdem wollte die Bundesregierung erreichen, dass Minderheiten sich besser gegen die brutalen Angriffe des „Islamischen Staates“ zur Wehr setzen konnten.
Kritiker des militärischen Eingreifens forderten oftmals, sich aus dem Konflikt herauszuhalten und ausschließlich humanitäre Hilfe zu leisten. Dies wiederum fordern auch viele diplomatische Vertreter, die dringend einen politischen Dialog anmahnen, der dann in einen politischen Prozess der Befriedung des Konflikts münden könne. Erste Gespräche finden im Rahmen der Vereinten Nationen statt. Ein zarter Hoffnungsschimmer ist der ausgehandelte — wenn auch brüchige — Waffenstillstand.
Ob dieser politische Dialog durch militärische Erfolge des Regimes gegenüber den Rebellen und vor allem gegenüber dem „Islamischen Staat“ wahrscheinlicher wird, ist ebenfalls umstritten.

Für Europa stellt sich aus dem Syrienkonflikt noch eine ganz andere Frage: Wie soll sich Europa in der Flüchtlingskrise verhalten?
Hunderttausende Menschen haben ihre syrische Heimat verlassen und suchen Zuflucht in der Europäischen Union. Auch hier ist eine einheitliche oder abgestimmte Politik der Staaten kaum zu erkennen. Nationale Strategien prägen nicht nur die Syrienpolitik, sondern auch die Flüchtlingspolitik.
Ob die diplomatische Lösung, die mit der Türkei gefunden wurde, den Flüchtlingsstrom begrenzen und die Situation der syrischen Flüchtlinge in der Türkei wirkungsvoll verbessern kann, bleibt fraglich.

Eine Lösung des Syrienkonflikts ist nicht in Sicht, umso wichtiger, sich mit dem Thema im Unterricht zu beschäftigen.

Kompetenzerweiterung

Die vorliegende Unterrichtsreihe ist in vier Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die Schülerinnen und Schüler mit dem Problem zerfallender Staaten konfrontiert. Sie befassen sich mit den Folgen für die Menschen und mit der Frage, wie die internationale Staatengemeinschaft grundsätzlich auf dieses Problem reagieren soll. Dabei können sie ihre eigenen Vorstellungen in die Planung des Unterrichts mit einbringen.

Der zweite Teil stellt eine klassische Situationsanalyse dar. Die Schülerinnen und Schüler werden mit den Ereignissen in Syrien vertraut gemacht. Sie unterscheiden dabei die unterschiedlichen Akteure, die den Konflikt in Syrien bestimmen und die anderen Staaten, die versuchen, ihre Interessen in Syrien durchzusetzen. Der Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran wird ebenso thematisiert, wie die Rolle der Kurden. Ziel des zweiten Teils ist, dass die Schülerinnen und Schüler gemeinsam in Gruppen eine Konfliktanalyse erstellen, die übersichtsartig die Konfliktlinien verdeutlicht.

Auf der Basis dieser Analyse werden im dritten Teil der Unterrichtsreihe verschiedene Handlungsmöglichkeiten erarbeitet. Unter der Leitfrage „Wie kann die internationale Staatengemeinschaft auf Konflikte wie in Syrien reagieren?“ werden unterschiedliche Optionen einander gegenübergestellt. Dabei wird immer wieder Bezug zum aktuellen Konflikt genommen. Die Ergebnisse der Arbeit können gut in einem Gruppenpuzzle gesammelt werden, da alle Lernenden die gleiche Aufgabenstellung bekommen und sich nur die Handlungsoptionen unterscheiden.
Grundsätzlich bietet es sich an, die Recherche über das Internet zu führen. Dort finden die Schülerinnen und Schüler aktuelle Informationen und anschauliche Dokumente. Die Arbeitsblätter dieser Unterrichtsreihe sind dafür im PDF bereits für eine Internetrecherche verlinkt.

Im abschließenden vierten Teil steht die Urteilsbildung im Mittelpunkt. Die Schüler sollen anhand der Kriterien „Legitimität“, „Effektivität“ und „Nachhaltigkeit“ die Handlungsmöglichkeiten bewerten. Da dies eine sehr komplexe Aufgabe darstellt, erhalten sie dafür ein vorstrukturiertes Arbeitsblatt, das sie bei ihrer Urteilsbildung unterstützen soll.

Der Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler wird auf vielen Ebenen gefördert. Sie schulen durch die grafische Umsetzung und die Internetrecherche ihre Methodenkompetenz. Durch die umfassende Fallstudie und die Analyse des Konfliktes verfeinern sie ihre Analysekompetenz. Durch das abschließende Urteil und die Anwendung von Urteilskriterien trainieren sie ihre Urteilskompetenz.